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Sonntag, der 25. November

Ich habe mich auf Grund der vielen Zuschriften nun doch entschlossen noch einige
Zeit weiter diese Homepage zu betreiben um über alles wichtige in unserem
"neuen" Leben berichten. Es tut mir auch gut mich hier mitteilen zu können.

Ja, so schnell kann sich durch eine unverhoffte Krankheit das ganze Leben von einem
Tag zum anderen ändern. Es hat eine ganze Zeit gedauert um zu akzeptieren, dass
sich die gesamte Lebensplanung in Luft aufgelöst hat und nichts mehr so ist wie es
noch vor kurzer Zeit war. Es ist eine sehr schwere Zeit die nun zu bestehen ist
und ab und zu verlässt uns der Mut es zu schaffen, wobei die Angst vor der Zukunft
eine wesentliche Rolle spielt.
Der momentan schlechte Zustand von Regina hat dazu geführt, dass wir uns
entschlossen hatten das Wohnmobil zu verkaufen, da wir uns nicht vorstellen können
jemals wieder auf Reisen gehen zu können. Wir müssen unsere Prioritäten nun auf andere
Dinge konzentrieren und uns einfach mit der Situation abfinden. Sollte sich wieder
erwarten doch noch alles in Zukunft zum Guten wenden, können wir uns jederzeit
wieder ein Wohnmobil zulegen. Im Moment jedoch liegt das, wenn überhaupt,
in sehr weiter Ferne.


Täglich kommt eine Pflegeschwester, die sich um die Wundversorgung bei Regina
kümmert. Alles andere, wie die erforderlichen Spritzen setzen, den Aussenbeutel und
die auf der Bauchdecke befindliche Grundplatte in gewissen Abständen wechseln,
beim Aus - und Anziehen helfen, spezielle Nahrung zubereiten und vieles mehr,
sind nun meine täglichen Aufgaben. Ich hätte mir noch vor kurzer Zeit nicht vorstellen
können, dass ich das alles einmal machen könnte bzw. in der Lage bin das tatsächlich
zu machen. Hinzu kommen die Arbeiten um den Haushalt in Ordnung zu halten, der ganze Papierkram mit den verschiedenen Behörden und Arzttermine wahrnehmen. Für Regina
kommen nun auch Friseur, Zahnarzt und Fußpflege ins Haus um ihr ein Gefühl von
Wohlfühlen zu vermitteln. Sie isst weiterhin nur sehr wenig und bringt im Moment nur
noch 58 Kilo auf die Waage, was mich natürlich nicht sehr erfreut. Ihr allgemeiner
Zustand verändert sich nicht merklich zum Guten und so heißt es, dass ich mich
weiterhin in Geduld üben und optimistisch bleiben muss. Das Laufen ohne den
Rollator fällt ihr immer noch sehr schwer und beschränkt sich immer nur auf ein paar
Schritte. Jetzt kommt auch zweimal in der Woche eine Physiotherapeutin um
Bewegungsübungen mit Regina zu machen um die erschlaffte Muskulatur wieder
einigermaßen in Gang zu bringen. Das alles fällt ihr sehr schwer, aber sie gibt sich
Mühe die Anweisungen der Therapeutin zu befolgen. Es ist sehr schwer Geduld zu
beweisen wenn man so gar keinen sichtbaren Erfolg bemerken kann ...


Wir haben uns nun wieder ein PKW gekauft in dem man etwas höher sitzt bzw.
besser einsteigen kann, was Regina natürlich zu Gute kommt. Es ist ein
Dacia Duster Komfort, der mit vielen Extras die Regina zugute kommen, wie unter
anderem mit einer Sitzheizung ausgestattet ist.



 Bluetooth, Bordcomputer, CD Radio, Alufelgen, Anhängerkupplung, Dach Reling , ABS, Beifahrerairbag, ESP, Fahrerairbag, Isofix, Nebelscheinwerfer, Seitenairbag, Servolenkung Tagfahrlicht, Wegfahrsperre, Zentralverriegelung, Reserverad in Fahrbereifung, Sitzheizung
vorn, Airbag Beifahrerseite, Airbag Beifahrerseite abschaltbar, Airbag Fahrerseite,
Audio-Navigationssystem mit Touchscreen-Farbdisplay (Media Nav), Außenspiegel
elektr. verstell- und heizbar, Außenspiegel Titanoptik, Außentemperaturanzeige,
Bordcomputer, Bremsassistent, Dach Reling, Eco Mode (Fahrmodusschalter), Elektr. Bremskraftverteilung, Fahrassistenz-System: Berganfahr-Assistent (HSA),
Fensterheber elektrisch hinten, Funktions-Paket, Fußmatten vorn und hinten, Gepäckraumabdeckung, Heckscheibe heizbar, Heckscheibenwischer, Isofix-Aufnahmen
für Kindersitz an Rücksitz, Karosserie: 5-türig, Leder-Paket, Look-Paket,
Modellpflege Modularitäts-Paket, Motor 1,5 Ltr. - 80 kW dCi Diesel FAP KAT,
Radstand 2673 mm, Raucher-Paket, Schadstoffarm nach Abgasnorm
Euro 6, Schaltpunktanzeige, Sicherheits-Paket, Steckdose (12V-Anschluß) in
2.Sitzreihe, Stoßfänger Wagenfarbe, Türgriffe außen Wagenfarbe.
 
Jetzt sind wir wieder beweglich und können nun unsere anstehenden Termine
wieder wahrnehmen. Regina hat sogar schon ein Probesitzen auf der Beifahrerseite
absolviert.
Ich habe auch ein sehr gutes, neues Boxspringbett mit allen erdenklichen elektrischen Einstellungen gekauft. Dadurch kann bei nächster Gelegenheit das bereitgestellte
Krankenhaus - Pflegebett wieder abgeholt werden, da das neue Bett die gleichen
Anforderungen erfüllt und auch optisch in unserem Schlafzimmer wieder eine
gewisse Normalität hergestellt wird.


Dienstag, der 27. November


Regina bekommt täglich von mir speziell zubereitete Nahrung, die mit vielen
aufbauenden Zusatzmitteln aufbereitet wird. Dazu gehören spezielle Joghurts, Fett,
Eiweiß- und kalorienreiche Pulver, Schmand sowie 30% Sahne und Butter. Das alles
bekommt sie 3-4 Mal täglich zusammen mit Suppen bzw. anderem weichen Essen
von mir zubereitet. Diese Aufbereitung der Speisen ist von den Ärzten empfohlen worden.
Wie schon oben erwähnt hat das alles aber bisher noch nicht zu einer
Gewichtszunahme geführt, weil unter anderem auch ihr nicht grade gut ausgeprägter
Appetit sehr zu wünschen übrig lässt. Heute kommt außer der Pflegeschwester auch
wieder die Physiotherapeutin um weitere Bewegungsübungen mit Regina zu machen.




Donnerstag, der 29. November

Seit gestern haben wir die Gewissheit das Regina den Kampf gegen diese heimtückische
Krankheit verloren hat. Der aggressive Krebs ist sehr schnell soweit fortgeschritten,
dass ihr nunmehr nur noch ein paar Wochen bleiben werden. Sie hat diese Nachricht, im Gegensatz zu mir, sehr gefasst und bei klarem Verstand aufgenommen. Wir haben lange Gespräche geführt und uns ganz offen über die Situation unterhalten. Ich bewundere
ihren Mut und ihre Tapferkeit, wie sie mit dieser Situation umgeht. Ich habe den
Eindruck das sie sich mehr Sorgen um mich, als um ihre eigene Befindlichkeit macht.
Sie betont immer wieder was wir für eine schöne gemeinsame Zeit, immerhin über
30 Jahre hatten in denen wir fast immer auf Reisen waren und so viele schöne
Erlebnisse und Erinnerungen teilen konnten. Sie sieht dem Ende auf Grund ihres
erfüllten Lebens gefasst entgegen und ist, was sehr wichtig ist, ohne Groll gegen ihr
Schicksal mit sich im Reinen.
Ich habe nun auch auf Anraten unseres Hausarztes, mit dem ich gestern Abend ein
langes, aufklärendes Gespräch hatte, ein Palliativ-Team kontaktiert, dass sie schmerzfrei
und in Würde bis zum Ende begleiten und dabei alle ihre Wünsche bedingungslos
akzeptieren wird.
Wir haben alles wichtige, wie Testament, Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht
 gründlich besprochen und alles für den Ernstfall geregelt.
Über meine Verfassung kann und will ich hier an dieser Stelle nicht reden und bin
auch im Moment nicht in der Lage dazu, nur soviel, ich habe keine Tränen mehr und es
ist eine unheimliche Leere in mir und ich habe das Gefühl als wenn ein Teil von mir
einfach nicht mehr da ist.
Dazu kommt die Angst vor der Zukunft die ich dann alleine, ohne den geliebten
Menschen an meiner Seite, meistern muss. Lohnt es sich denn überhaupt weiter
zu leben? Im Moment wäre ich froh mit ihr zusammen gehen zu können.
Das grausamste war, dass sich Reginas Krankheit viel zu spät bemerkbar gemacht
hat und uns innerhalb von 3 Monaten vom 100 auf Null katapuliert hat.
Bisher hatte ich keine Ahnung was Palliativmedizin überhaupt bedeutet. Darum habe
ich mich nun gründlich darüber informiert und hier einen kleinen Ausschnitt
veröffentlicht.

Was ist Palliativmedizin?

Palliativmedizin ist die aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit
einer fortschreitenden Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung. Die
Erkrankung kann nicht mehr geheilt werden. Die Linderung von Schmerzen und anderen belastenden Krankheitsbeschwerden, psychischen, sozialen und spirituellen Problemen
treten in den Vordergrund. Palliativmedizin umfasst die Behandlung und Betreuung
von Patienten und deren Angehörige.
Palliativmedizin ist interdisziplinär und multiprofessionell, d.h. die
verschiedenen Berufsgruppen und Fachrichtungen in der medizinischen Versorgung
arbeiten im Team miteinander. Palliativmedizin bejaht das Leben und akzeptiert
das Sterben als normalen Prozess. Sie will den Tod weder beschleunigen noch
hinauszögern.
Ziel in der Palliativmedizin ist der Erhalt der bestmöglichen Lebensqualität bis
zum Tod.
Das bedeutet für uns, die Lebensqualität durch eine Veränderung der aktuellen
Situation zu verbessern und Unterstützung bei der Bewältigung belastender
Beschwerden und Behinderungen zu geben.


Mittwoch, der 5. Dezember

Reginas Zustand hat sich weiterhin verschlechtert. Sie liegt nun fast den ganzen Tag
und steht nur sehr schwer zu den Mahlzeiten auf. Alle Bemühungen und auch die
Medizin und das spezielle Essen zeigen keinerlei aufbauende Wirkung. Sie wird
zusehens von Tag zu Tag schwächer. Sie hat zwar in den letzten Tagen ihr
Gewicht einigermaßen gehalten, aber Unwohlsein und ab und zu auch geringe
Schmerzenbestimmen ihren Tagesablauf.
Heute kommt das Palliativ Team und dann werde ich wohl neue Erkenntnisse zu
hören bekommen.
Ja, das Palliativ Team, bestehend aus einer Ärztin und einer Krankenschwester
hat mir alles was nun in Zukunft auf mich zukommen wird erklärt. Ich werde auf jeden
Fall entlastet und Regina bekommt tatsächlich jede nur erdenkliche Hilfe um ihr die
Zeit bis zum Ende so schmerzfrei und würdig zu gestalten. Aus diesem Grund bekommt
sie unter anderem ab sofort auch Morphiumtropfen. Es wurde auch für weitergehende
professionelle Pflege und viele andere Angebote die ihr guttun würden gesorgt.
Ich empfinde diese Hilfen des Palliativ Teams als sehr gut und nützlich und bin froh
mich an diese Einrichtung gewandt zu haben.
Auf Grund ihres zusehend schlechter werdenden Zustandes besteht durchaus die
Möglichkeit, dass Regina nur noch wenige Wochen/Tage zu leben hat.

Ich würde mich sehr freuen zusammen mit Regina noch das bevorstehende
Weihnachtfest verbringen zu können. Das haben wir uns beide erst einmal zum
Ziel gesetzt ...
Das Palliativ Team kümmert sich nun auch um meine angeschlagenen körperlichen
und vor allem mentalen Zustand. Ich kann garnicht bschreiben wie es mir im
Moment geht und wenn Reginas Tochter heute wieder nach Kiel zurück muss,
bin ich mit den ganzen Problemen wieder allein auf mich gestellt.
Hoffentlich bleibe ich stark genug um in den kommenden Tage weiterhin so zu
funktioneren um Regina Halt und Zuversicht zu geben.
Am meisten nervt mich der tägliche Kampf mit den Behörden die einen
von Pontius bis Pilatus schicken und keiner übernimmt mal Verantwortung dem
Patienten gegenüber. Sei es die Krankenkasse oder der Medizinische Dienst
der Krankenkassen, jeder schiebt Entscheidungen dem anderen zu und so wird der
Zeitpunkt bis die Pflegestufe für Regina bewilligt wird, immer weiter hinaus
geschoben. Letztendlich wird es soweit kommen, dass sie diese Bewilligung gar
nicht mehr überlebt.
Der Mensch ist gar kein Patient mehr sondern nur noch eine Nummer mit der alle
Instanzen versuchen Geld zu machen und diesen Eindruck habe ich schon von vielen
ähnlich gelagerten Fällen bestätigt bekommen.
Was ist nur aus diesem Land geworden wo der Mensch nichts mehr zählt, besonders
wenn er ein bestimmtes Alter erreicht hat und sowieso zu nichts mehr nütze ist.
Die ganzen verantwortlichen Politiker und die Gesetzgebung sollte sich mal weniger
mit Paragrafen sondern viel mehr mit der Basis, also mit dem realen Leben
an den Krankenhäusern und medizinischen Dienstleistern beschäftigen. Aber die
Machtkämpfe um gute Posten haben augenscheinlich den Vorrang ...



Freitag, der 7. Dezember

Meine Hoffnung das Regina das Weihnachtsfest noch mit mir gemeinsam erleben wird
schwindet von Tag zu Tag mehr. Sie ist nun so schwach geworden, dass sie nicht mehr
das Bett verlassen kann. Ich muss ihre Körperpflege und ihren Toilettengang nun, so
anstrengend es auch ist, am Bett erledigen. Sie nimmt auch kaum noch Nahrung zu sich.
Dazu sollte sie auch nicht gezwungen werden so die Ärzte und Pflegeschwestern. Ihr
Körper kann die Nahrung so gut wie nicht mehr in Energie umsetzen weil der Krebs
alles gnadenlos "wegfrisst". Sie bekommt 3x am Tag Schmerzmittel zugeführt.
Das Palliativteam hat mich mit allen nötigen Medikamenten versorgt um Regina die
Zeit die ihr noch bleibt so schmerzfrei und angenehm wie möglich zu gestalten.
Jede Medikamentengabe muss ich in einer Liste genau mit Menge, Datum und Uhrzeit protokollieren.
 


Wie tapfer und stark sie ist sehe ich daran, dass sie nicht jammert, sondern alles ganz
klar mitbekommt. Sie weiß das sie nicht mehr lange zu leben hat und hat mit sich Frieden geschlossen. Sie hegt keinen Groll gegen ihr Schicksal und ist mit sich im reinen.
Wir haben lange Gespräche geführt und ich bewundere ihre Haltung. Sie hat absolut
keine Angst vor dem Sterben. Ich glaube, dass ich an ihrer Stelle nicht so ruhig
bleiben könnte,sondern jammern und mit dem Schicksal zetern würde.
Wie schön das sie vollkommen klar im Kopf ist und wir uns über alles unterhalten
können. Sie lebt mit der Gewissheitihr Leben so schön mit mir gelebt zu haben
und trauert keiner Stunde nach.
Sie erzählt viel von unseren Reisen und ich bin erstaunt wieviel Details von besonderen Erlebnissen und Abenteuern, die wir zusammen erlebt haben, sie behalten hat.
 Nachts willsie meine Nähe spüren und hält meine Hand bis zum Einschlafen.

Gestern war ich bei einem Bestattungsinstitut um mich für den Ernstfall zu informieren.
Wir haben ja beide testamentarisch festgelegt, dass wir anonym bestattet werden
wollen. Nun weiß ich Bescheid wie dieses Ritual ablaufen wird.
Vielleicht hört sich das etwas herzlos an jetzt schon an so etwas zu denken, aber ich
war Zeit meines Lebens immer der Meinung alles im Voraus zu regeln um später nicht
vor unvorhergesehenen Situationen zu stehen.
So gern ich oft alles verdrängen möchte muss ich doch Regina zu liebe durchhalten um
dann erst später meine Trauer zu verarbeiten. Auf jeden Fall erfülle ich ihr natürlich jeden Wunsch den sie mit ihrer nun schwachen, leisen Stimme äußert. Ich höre des Nachts
auf ihren Atem, registriere jeden Säufser und jede ihrer Bewegungen und bin dann
hellwach und in Bereitschaft schnell zu helfen.


Sonnabend, der 8. Dezember

Leider geht es Regina immer schlechter. Schlechter, aber nicht im Sinne von
Schmerzen, sondern mehr ihr immer schwächer werdender Zustand.
 Sie kann nun nicht mehr aufstehen um das Bett zu verlassen. Ich muss sie nun so
gut wie möglich waschen, Eincremen, Haare kämmen, Wäsche wechseln und Füttern.
Es bricht mir fast das Herz sie, die starke Frau die mich immer mit allem verwöhnt
und immer klaglos meine Launen ertragen hat, in einem solchen hilflosen,
bemitleidungswürdigen Zustand zu sehen.
Von dem Team der Palliativmedizin habe ich eine sehr gute, aufschlussreiche
Broschüre bekommen, die mir sehr hilft ihren momentanen Zustand zu bewerten
und zu verstehen.
Ich habe einmal auf eine Extraseite einige Ausschnitte aus dieser Broschüre gestellt.

Ausschnitte aus der Broschüre des Palliativ-Teams

 Alle diese hier beschriebenen Symptome treffen zu 100% auf Reginas Zustand zu
und der Eindruck, dass sie sich nun bald auf ihre letzte Reise begeben wird, verstärkt
sich von Tag zu Tag. Ich bin unendlich traurig und verzweifelt wenn ich mir jeden Tag
aufs neue eingestehen muss, dass jede Hoffnung auf Besserung nun tatsächlich
vergeblich geworden ist. Trotzdem ich nun weiß das ihre Lebenszeit sehr begrenzt ist,
pflege ich sie natürlich so weiter wie bisher und wie es von den Ärzten angeordnet ist,
auch wenn ich oft selber an die Grenze meiner Kraft komme. Viel wichtiger ist, ihr den
Weg bis zu ihrer letzten Reise so gut wie möglich zu ebnen ...


Dienstag, der 11. Dezember

Am Anfang als Reginas Krankheit ausbrach war ich mir gar nicht bewusst welche
Verantwortung ich mit dem spontanen Einverständnis sie in häuslicher Pflege zu
Betreuen einging. Auch war mir nicht bewusst mit welchem körperlichen und mentalem
Kraftakt ich zu rechnen hatte. Inzwischen bin ich aber froh, dass ich die häusliche
Pflege übernommen habe und genau weiß, was zu tun ist.
Wie schon geschrieben steht Regina nun garnicht mehr auf und so muss ich sie
mehrmals am Tag waschen und Windeln. Vor dem Windeln hatte ich zunächst die
meiste Angst, denn ich habe in der Vergangenheit immer starken Ekel vor Erbrochenem
 und dem Geruch von vollgemachten Windeln gehabt. Umso erstaunter bin ich, dass
mir diese, täglich mehrmals notwendigen Arbeiten, überhaupt nichts ausmachen.
Ich glaube das liegt auch daran das wir uns so nahe sind und das Versprechen in guten
wie in schlechten Zeiten zusammen zu halten.
Regina hat nun den Pflegegrad 3 bekommen, was unter anderem auch bedeutet, dass
ich nun einmal in der Woche eine Haushaltshilfe und des weiteren auch
vom ambulanten Hospizdienst auf Anforderung eine freiwillige Helferin bekomme,
die z.B. wenn ich Einkaufen fahren muss oder anderweitig mal für einige Stunden zu
tun habe, bei Regina bleibt, ihr vorliest oder auch nur bei ihr ist. Ich finde, dass das
eine ganz tolle Einrichtung ist, wobei die freiwilligen Helferinnen für ihre
Aufgaben geschult, überprüft sind und der Schweigepflicht unterliegen.
Zusammen gefasst kann man folgendes sagen:
Der ambulante Hospizdienst ergänzt kostenlos die Leistungen sozialer Einrichtungen, Pflegedienste, Ärzte und entlastet pflegende Angehörige in der
häuslichen Umgebung durch den Einsatz geschulter Hospizhelfer/innen.
Auch hier habe ich wieder einen kleinen Auszug aus dem Flyer des
ambulanten Hospizdienstes:





Donnerstag, der 13. Dezember

Regina hat nun das Essen und Trinken vollständig eingestellt. Immer noch
klar im Kopf und den Umständen entsprechend aufnahmefähig gibt sie sich vollständig
in meine Hände und in die Hände des Pflege- und Palliativ-Teams.
Wir alle tun alles menschenmögliche, um ihr die Zeit die ihr noch bleibt, würdevoll und schmerzfrei zu gestalten. Tochter Claudia wird so schnell wie es ihr möglich ist
wieder aus Kiel hierher kommen um bei ihr zu sein. Wir merken, dass Regina nun bereit
ist, ihre letzte Reise anzutreten, sie ist gefasst und ruhig und bereit loszulassen.
Sie hat mir in der letzten Nacht noch mit schwacher immer leiser werdenden Stimme
für unsere schöne Zeit gedankt und mir versprochen, dort oben einen schönen Platz
für mich frei zu halten.
Ich bin so traurig und mir schwirren so viele Gedanken, unter anderem auch über
meine Zukunft, im Kopf herum. Ich kann mir noch nicht vorstellen wie es ohne meine
Regina weiter gehen wird. Es ist niemand hier der mich, sollte der Ernstfall nun
schnell eintreten, auffangen wird und mir Trost spenden könnte.








Ja, nun ist alles was ich befürchtet hatte schneller eingetreten als erwartet.
Regina wollte noch so lange durchhalten bis ihre Tochter heute Machmittag aus
Kiel kommen würde. Es hat nicht sein sollen ...
Um 07:30 Uhr war die Ärztin hier die Regina behandelt hatte und die
zufällig Bereitschaftsdienst hatte. Die Formalitäten wie Totenschein usw. hat
sie erledigt.
Ich habe zunächst alle Freunde und Bekannten angerufen um ihnen die Nachricht von
 Reginas Ableben mitzuteilen. Natürlich sind alle sehr betroffen das es so schnell ging
und selbst die behandelnde Ärztin hat es nicht für möglich gehalten, dass der Tod
so schnell eingetreten ist. Ich bin im Moment nicht in der Lage klare Gedanken zu
fassen und werde am Nachmittag Reginas Tochter von Bahnhof abholen um mit
ihr zusammen unseren Verlust zu betrauern.
Ich bin sehr froh, dass ich all die Jahre an Reginas Seite sein durfte und es war mir
eine Ehre der Mann an ihrer Seite sein zu dürfen. Sie hat mir so viele schöne Jahre
geschenkt, es war die beste Zeit meines Lebens.
Nun stehe ich vor den Scherben unserer Lebensgemeinschaft und weiß noch nicht
wie alles in Zukunft weiter gehen wird, vor allem macht es mir Angst die
Weihnachtstage, die sowieso immer eine besonderer Stimmung mit sich bringen,
alleine zu verleben ...



Sonntag, der 16. Dezember

Es haben mich per Email unerwartet viele Beileidsbekundungen erreicht. Dafür bin
 ich sehr dankbar, bin aber im Moment noch nicht in der Lage mich jedem einzeln
zu bedanken und möchte hier meine Dankbarkeit darüber Ausdruck verleihen.
Es ist so schön, dass Regina auf diese Weise eine so große Wertschätzung erfährt.
Sie hätte sich unglaublich darüber gefreut, da bin ich sicher.
Mein Schmerz über den Verlust kann ich gar nicht in Worte ausdrücken und an vielen,
vielen kleinen Dingen des Alltags werde ich ständig daran erinnert, wie sehr sie
mir fehlt. Nur wer einmal in einer ähnlichen Situation war kann nachempfinden
wie es in mir aussieht.
Wir haben Regina gestern Abend um 18:00 Uhr vom Bestattungsinstitut abholen
lassen und dieser Augenblick hatte etwas Endgültiges. Nun ist sie wirklich nicht
mehr hier und das zu begreifen fällt mir so unheimlich schwer.



Heute ist der 3. Advent und das ich diesen Tag alleine, ohne meine Regina erleben
muss, war noch vor drei Monaten undenkbar. Warum hat uns das Schicksal solch eine
Prüfung auferlegt? Wie gut das Claudia für ein paar Tage hier ist und wir unsere Trauer gemeinsam bewältigen können.
 Meine Gedanken sind immer wieder in der Minute als Regina ihren letzten Atemzug
in meinen Armen tat. Und trotz dieser der schlimmen Situation merke ich immer
mehr, dass dieser kleine Moment so komisch es auch klingen mag, ein wunderschöner,
inniger Moment war, den ich nicht missen möchte und der mir für immer in Erinnerung
bleiben wird.
Dieser besondere Moment hat uns auch nach ihrem Tod noch mehr verbunden.
Vielleicht deckt der Schnee der über Nacht hier gefallen ist in wenig den großen
Schmerz zu ...


Montag, der 17. Dezember

Der Schmerz und die Verzweiflung lassen einfach nicht nach. Nun ist es schon zwei
Tage her seit Regina verstorben ist und ich sehe sie andauernd und bei jeder
Gelegenheit in der Wohnung umher gehen. Oft habe ich den Eindruck sie
kommt jeden Moment zur Tür herein und alles ist wieder wie zuvor.
Der Schmerz über ihren Verlust nimmt mir jeglichen Lebensmut und ich kann keinen
klaren Gedanken fassen.
 So wie ihr Leben vergangen ist sind auch die letzten kleinen Rosen die ich ihr ans
Bett gestellt hatte nun auch gestorben.
Sie hat es immer geliebt wenn ich ihr unverhofft mal einen kleinen lachsfarbenen Rosenstrauß, es war ihre Lieblingsfarbe, mitgebracht habe. Alles ist so endgültig und das kann und will ich noch nicht wahrhaben. Jede früher unbedeutende Kleinigkeit im Haus erinnert mich an Momente an denen wir zusammen gelacht haben und die wir zusammen erlebt haben.
Alles erinnert mich in jeder Minute immer wieder daran wie schön alles war. Dazu kommt nun meine Angst vor einer Zukunft die vollkommen im Ungewissen und Dunkeln liegt und von der ich im Moment noch keine Ahnung habe.

Heute werde ich zusammen mit Claudia noch einmal das Bestattungsinstitut
aufsuchen um uns genau über den Ablauf der auf uns zukommenden Bestattung
zu informieren.
Dann liegen Behördengänge und verschiedene Kündigungen die auf Reginas Namen
liefen an. Das alles wird mich wieder viel Kraft kosten und immer wieder die
Frage aufwerfen, WARUM?. Ich weiß, dass jede dieser nun unvermeidlich auf
mich zukommenden Maßnahmen immer wieder die Wunden in meinem Herzen
aufreißen werden und die Erinnerungen an unsere schöne Zeit wird immer wieder
hautnah bei mir sein.
Was würde ich alles dafür geben unser altes Leben wieder zu haben ...



Dienstag, der 18. Dezember

Die Formalitäten beim Bestattungsinstitut haben wir erledigt. Alles was zu einer
würdevollen Bestattung von Regina beiträgt, wie Blumenschmuck, Musik usw.  haben
wir besprochen. Auch eine wunderschöne dunkelblaue Urne versehen mit einer
goldenen Kompassrose haben wir ausgesucht. Allein der Aufenthalt im
Bestattungsinstitut mit den dazu gehörenden unausweichlichen Formalitäten
waren wieder sehr schmerzlich und emotional.
Zu Hause habe ich nun ein Foto von Regina aufgestellt. Es zeigt Regina, schon etwas
 von ihrer Krankheit gezeichnet, auf der Rückreise mit der Fähre von Griechenland
nach Ancona (Italien).
Zu diesem Zeitpunkt ahnten wir noch nicht, wie schnell diese heimtückische
Krankheit, Reginas Leben beenden wird.



Reginas Tochter Claudia wird heute wieder zurück nach Kiel fahren. Dann werde ich
allein mit meinem Schmerz zurück bleiben. Ich muss mir, sobald ich dazu in der Lage
bin, unbedingt ein Ziel setzen bzw. eine Aufgabe suchen, die mich aus meiner
momentanen Lethargie und den Grübeleien heraus reißt. Ich muss auf jeden Fall
vermeiden in eine tiefe Depression zu verfallen.
 

Mittwoch, der 19. Dezember

Zusammen mit Claudia haben wir schon einige Dinge auf die Reihe bekommen. Wir
haben viele von Reginas Sachen, teilweise nagelneu, dem "Rote Kreuz" Container
übergeben. Wir haben dafür gesorgt, dass die ganzen Hilfsmittel, wie das Pflegebett usw.
 die für Regina angeliefert wurden. nun wieder abgeholt werden. Medikamente im Wert
von hunderten von Euros , trotzdem teilweise noch original verpackt, wurden nicht
zurück genommen. Weder das Palliativ-Team, noch die Apotheke nehmen sie zurück.
Unser Hausarzt hat sich bereit erklärt das alles zu übernehmen. Der Bestattungstermin
 steht nun auch fest und so geht für mich in den nächsten Tagen der Kampf mit den
Behörden in die nächste Runde. Nachdem Claudia gestern weg war bin ich wieder in
ein tiefes Loch gefallen und die Befürchtung die ich vor der ersten Nacht die ich nun
alleine in der Wohnung verbringe, hat sich bewahrheitet. Ich habe mich noch
niemals in meinem Leben so alleine gefühlt und habe gemerkt, dass mein
Lebenswille merklich sinkt. Wie grausam doch das Schicksal sein kann, das es mit
dem Tod eines geliebten Menschen auch gleich ein zweites Leben zu Grunde
richten will. Ich bin froh, dass die Nacht mit all ihren schlimmen Gedanken und
Grübeleien vorbei ist, denn es gibt noch soviel zu tun um wieder einen
"Normalzustand" der Wohnung herzustellen. Das heißt, dass ich alles was mich
immer wieder schmerzlich an die letzten Wochen erinnert, entfernen und
nur wenige, aber wichtige Erinnerungsstücke an meinen Schatz behalten werde.
Ich denke oft, dass die Tür aufgeht und Regina herein kommt, oder auch das Gefühl
das sie neben mir auf dem Sofa sitzt und mit mir einen Film anschaut. Sie ist
irgendwie bei allem was ich unternehme immer dabei. Ich kann nicht in Worte fassen,
wie sehr ich sie vermisse ...
Heute kam unter anderem auch eine Beileids Email von polnischen Freunden, bei
denen wir oft und gerne mal Station gemacht haben. Ich habe den polnisch
geschriebenen Text ins deutsche übersetzt und möcht ihn hier veröffentlichen, denn
er zeigt mir immer wieder wie beliebt meine Regina bei allen Menschen war.
Ihre Bescheidenheit und Herzlichkeit hat alle Menschen für sie eingenommen.
Witaj Jurek
Smutną wiadomość dziś od Ciebie otrzymałam.....jest mi bardzo przykro z powodu
odejścia Reginki.
Proszę przyjmij nasze szczere kondolencje.....wiem żadne słowa pociechy nie są w
stanie ukoić bólu po stracie bliskiej osoby. Czytałam prawie codziennie dzienniki z
waszej podróży i cieszyłam się waszą radością aż tu nagle przyszła ta straszna,
podstępna i bezwzględna choroba ( znam ją.....na raka zmarł mój tata 20 lat temu).
W niedzielę w kościele zapalę świeczkę i pomodlę się za spokój Jej Duszy.
A Ty Jurku nie poddawaj się, pielęgnuj w sercu miłe wspomnienia związane z Reginką
i żyj dalej bo tak trzeba.
Pozdrawiamy Cię serdecznie i mocno przytulamy do serca .
Irena, Maria i Janek

Und hier die deutsche Übersetzung:

Hallo Jürgen
Ich habe heute eine traurige Nachricht von Ihnen erhalten ... Es tut mir sehr leid,
dass Reginka gegangen ist.
Bitte nehmen Sie unser aufrichtiges Beileid entgegen ... Ich weiß, dass keine
tröstenden Worte den Schmerz des Verlusts eines geliebten Menschen trösten können.
Ich las fast täglich Zeitschriften von Ihrer Reise und genoss Ihre Freude, bis hier
diese schreckliche, heimtückische und rücksichtslose Krankheit (ich kenne sie ...
mein Vater starb vor 20 Jahren) kam.
Am Sonntag zünde ich in der Kirche eine Kerze an und bete für den Frieden
ihrer Seele. Und Sie, Jurek, geben Sie nicht auf, kultivieren Sie mit Regina schöne
Erinnerungen und leben Sie, weil Sie müssen.
Wir grüßen Sie herzlich und umarmen Sie herzlich.
Irena, Maria und Janek



Donnerstag, der 20 Dezember

Wie an jedem Morgen zünde ich eine Kerze am Bild von Regina an und wünsche ihr
einen guten Morgen. Abends, in stiller Zwiesprache, erzähle ich ihr dann alles was
ich tagsüber gemacht habe und ich habe das Gefühl, dass sie mir zuhört. So habe ich
heute viel telefoniert und dafür gesorgt, dass alles was zu ihrer Pflege gehört hat, wie
das Bett, Rollator usw. abgeholt wird. Auch das mit viel Liebe gezeichnete Plakat,
als sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde habe ich entfernt, denn was ich
mir damals in positiver Stimmung gewünscht und geschrieben hatte
"Willkommen zurück im Leben"
hat sich leider nicht erfüllt. Jeden Morgen bekommen unsere Vögel die Spatzen,
Blaumeisen und Rotkehlchen die vor unserem Fenster schon warten, ihre Tagesration
an Futter und von ihrem Krankenbett aus konnte sie das sehen hatte immer
sehr viel Freude daran. Und doch, tun mir alle diese Handlungen trotzdem weh weil
sie sehr schmerzlich sind und mich immer alles daran erinnert das wir das noch vor
kurzen gemeinsam gemacht haben. Gestern habe ich eine deftige Hühnersuppe mit
viel Gemüse gekocht. Das war eines ihrer Lieblingsessen und ich hatte auch hier das
Gefühl, dass sie neben mir steht und aufpasst, das ich nicht zu viel Würze hinein tue.
Ja, das alles erzähle ich ihr am Abend bevor ich die Kerze lösche und ihr eine gute
Nacht wünsche und mich in den Schlaf weine ...
Sie fehlt mir so sehr und ich wünschte, dass ich ihr viel öfter hätte sagen sollen
wie sehr ich sie liebe und wie schön es ist an ihrer Seite durch das Leben zu gehen.





Freitag, der 21. Dezember

Heute auf den Tag genau, am 21. September ist es drei Monate her das bei
Regina diese heimtückische Krankheit ausgebrochen ist. Bis dahin war sie niemals
in ihren Leben krank und auch im Alter immer noch eine sehr schöne Frau gewesen,
wie man auf dem folgende Bild sieht das ich zu dieser Zeit, im September von
ihr unbemerkt, gemacht hatte.



Gestern sind noch alle Utensilien und übrig gebliebenen Medikamente, die sich
durch Reginas Krankheit und Hauspflege angesammelt hatten, abgeholt worden.
Nun sieht unsere Wohnung wieder so aus, als wenn dieses ganze Drama nicht
stattgefunden hätte, nur das jetzt das wichtigste fehlt, nämlich sie selbst.
Sie ist jedoch in meinen Gedanken immer anwesend und passt auf mich auf.
Ich habe versucht für Heiligabend, wie in vielen anderen Gemeinden üblich, hier in
der Nähe eine Veranstaltung zu finden, die alleinstehenden Menschen die Möglichkeit
bietet an Weihnachten nicht allein zu sein. Leider bietet unsere
Gemeinde so etwas nicht an. Immerhin werde ich am heiligen Abend in der
Wolgaster Kirche um 17:00 Uhr eine Messe besuchen um mich für die vergangenen,
schönen Jahre die wir hatten zu bedanken und um Beistand bei der Bewältigung
meiner tiefen Trauer zu bitten.
Heute sind, genau wie in den vergangenen Tagen, wieder sehr viele rührende Beileidsbekundungen, auch von vielen Menschen die sie nicht gekannt, sondern
nur durch unsere Reiseberichte kannten, angekommen. Dafür möchte ich mich
recht herzlich bedanken, zeigt es doch immer wieder, welch große Wertschätzung
Regina zuteil wird. Heute Abend werde ich wieder wie jeden Abend eine Kerze
anzünden und ihr in einem Zwiegespräch von den Dingen erzählen die ich heute
unternommen habe.



Sonntag, der 23. Dezember

Wieder liegen einige schlaflose Nächte hinter mir. Meine Zukunftsängste und
besonders das ungewohnte Alleinsein ziehen mir den Boden unter den Füßen weg
und ich bin im Moment unfähig Entscheidungen zu treffen. Regina hat in weiser
Voraussicht immer gewusst, dass ich nicht alleine leben kann und gesagt, dass
ich mir schnell eine neue Partnerin suchen soll um nicht zu vereinsamen. Wie
gut sie mich doch gekannt hat. Aber das kommt im Moment nicht in Frage, denn
ich würde immer Vergleiche ziehen und das wäre einer eventuellen neuen
Partnerin gegenüber nicht fair, zumal es im Alter sehr schwer sein wird
liebgewonnene und gewohnte Wege zu verlassen. Ich sehe momentan keine
Alternative, zumal ich Reginas Tochter Claudia, meiner einzigen Vertrauten, auch
nicht ständig mit meinen Problemen behelligen will. Sie hat ein eigenes, nicht
problemfreies Leben das sie bewältigen muss. Ich kann die Hilfe die sie mir
dankenswerter Weise angeboten hat nicht, oder nur begrenzt annehmen.
Am liebsten würde ich mich irgendwo verkriechen, nichts mehr hören und
nichts mehr sehen. Ich bin vollkommen ausgebrannt und energielos. Es gibt
niemanden der mir bei allen anstehenden Problemen und Entscheidungen zur
Seite steht. Ich schaffe es grade noch die Wohnung in Ordnung zu halten, denn
ich will nicht im Chaos enden. Die Ungewissheit, wie es weiter geht macht mich
fertig. Es gehen mir so viele Gedanken durch den Kopf, aber ich komme zu keiner
vernünftigen Lösung. Soll ich die Wohnung, die so viele Erinnerungen birgt,
aufgeben und woanders einen Neustart wagen? Soll ich hier bleiben und ständig
in der Erinnerung an all das Schöne was ich hier zusammen mit meinem Schatz
erlebt habe leben? Soll ich mich, wie Regina es wollte, schnell auf eine neue
Beziehung einlassen? All diese Gedanken schwirren mir durch den Kopf und
 zermartern mein Gehirn.
Wie jeden Abend, wenn ich die Kerze an ihrem Bild angezündet habe, erzähle ich
ihr von meinen Gedanken und Ängsten, kann aber leider keine Hilfe mehr von
ihr erwarten ...
Ich muss jetzt noch zwei große Prüfungen überstehen, zum einen die
Weihnachtsfeiertage überstehen und zum anderen die Bestattung verkraften.
Vielleicht kann ich danach, im neuen Jahr, eine Entscheidung,
wie auch immer, treffen?



Trotz meiner momentan sehr schwierigen Situation möchte ich nicht versäumen
Euch allen ein schönes, friedliches Weihnachtsfest zu wünschen!





Sonnabend, der 29. Dezember

Ich bin in den vergangenen Tagen durch die Hölle gegangen. Besonders an den Weihnachtsfeiertagen hatte ich mir gewünscht zusammen mit Regina gegangen zu
sein. Meine Trauer und mein Schmerz über ihren Verlust hat mir fast den Verstand
geraubt. Aber ich habe die Tage letztendlich überstanden und sehe nun heute der
Bestattung auf unserer kleinen Friedhof hier in Freest entgegen. Reginas Kinder
und Enkelkinder kommen angereist um der Mutter und Großmutter die letzte Ehre zu
erweisen. Auch das werde ich auch noch überstehen müssen so schwer es auch fällt
nun endgültig Abschied nehmen zu müssen. Ich habe eine letzte Rede vorbereitet
die ich versuchen werde selber vorzutragen, soweit meine Emotionen mir keinen
Streich spielen. Ich bin der Meinung, dass kein bestellter Redner diese sehr
persönliche Rede so, mit meinen Gefühlen, vortragen könnte.



Um 13:30 Uhr beginnt die Bestattung, anschließend habe ich noch eine Kaffeetafel in
unserem Hotel-Restaurant bestellt. Danach wird die Familie wieder in alle Richtungen
nach Hause fahren. Ich habe mich nun schon darauf eingestellt wieder alleine zurück
zu bleiben um meinen Verlust zu verarbeiten.
Ich will und muss versuchen, trotzdem es sehr schwer fällt, nach vorne zu schauen,
denn das Leben geht weiter ...
Ich habe hier nun einige Fotos von der Beerdigung, die in einem wirklich feierlichen
Rahmen vonstatten ging.




Regina liebte die lachsfarbenen Blumen, die nun ihre letzte Ruhestzätte schmücken.



Die Kompassrose auf der Urne hatte ich ausgesucht, weil uns unsere vielen Reisen auch
immer in alle Himmelsrichtungen geführt hatten.



"Abschied ist ein scharfes Schwert" Dieses Lied von Roger Whittaker hatte ich für die Bestattung ausgesucht.



Nur wenige Schritte von unserer Wohnung entfernt auf dem Friedhof unseres Wohnortes
 Freest hat mein Schatz ihre letzte Ruhestätte gefunden.
Ich werde sie jeden Tag besuchen solange ich die Kraft habe und noch hier wohnen bleibe.

Ich hoffe nun auch langsam zur Ruhe zu kommen und blicke nach vorn in das neue
Jahr.
 
Hält das Leben noch etwas für mich bereit?
 
Vielleicht ist es gut, dass man das nicht im voraus weiß ...

Mit diesen Worten schließe ich nun endgültig diese Seite
und diesen Teil meines Lebens ab.

 
Machts gut Freunde, es kann sein, dass wir uns im neuen Jahr in einer
neu zu gestalteten Homepage mit neuen Themen wiedersehen ...


Donnerstag, der 10. Januar

Langsam, jetzt im neuen Jahr fange ich wieder an ein einigermaßen normales Leben
zu führen. Wie, und ob mir das gelingt beschreibe ich auf einer gesonderten Seite.

Ich bin mir nicht sicher ob ich solche Intimitäten hier zu Veröffentlichung bringen sollte.
Ich habe mich also entschlossen auf einer neu anzulegenden Seite ab und zu über
unser "neues" Leben zu berichten.
Bitte unten zur Seite "Neues Leben" weiter klicken!



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Jonny Weber. Landkarten mit Kilometerangaben und Fahrzeiten sind von Google Maps.

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